Übersicht | Beschwerden | Ursachen | Therapie | Forschung | Selbsthilfe | Diskussion | Fragebogen | Links


Therapie

Ursächliche Behandlung
Symptomatische Behandlung
Augmentation
Spitaleintritt

Symptomatische Behandlung

Die Indikation zu der rein symptomatischen Therapie ist vom individuellen Leidensdruck des Patienten abhängig. Die Therapieplanung sollte dabei von der im Einzelfall oft unterschiedlich starken Ausprägung der Symptome bestimmt werden. Patienten mit schwerer bis schwerster - und dabei vor allem kontinuierlich ausgeprägter - Symptomatik benötigen in der Regel eine Dauertherapie.

L-Dopa/Benserazid und Dopamin Agonisten

Dopaminagonisten oder L-Dopa sind die Mittel erster Wahl bei der Behandlung des RLS. Allerdings ist in der Schweiz nur Madopar® ein L-Dopa-Präparat und die Dopaminagonisten Adartrel® (früher Requip®) und Sifrol® für diese Indikation offiziell zugelassen. Eine Reihe weiterer Dopaminagonisten (Permax®, Cabaser®) haben aber in Studien ihre Wirksamkeit bereits bewiesen und können zur Therapie eingesetzt werden. Diese werden allerdings wegen bestimmten Nebenwirkungen heute nicht als erste Wahl verwendet. Es ist eine Frage der Zeit, bis weitere Medikamente wie z.B. das Neupro® auch offiziell zur Behandlung des RLS zugelassen wird. Da die Patienten in der Regel unmittelbar auf die dopaminerge Therapie ansprechen und L-Dopa nicht über eine längere Phase hinweg auftitriert werden muss, kann eine prompte Wirkung von L-Dopa/Benserazid auch als Bestätigung der RLS-Diagnose gelten.
Diese Medikamente werden auch beim Morbus Parkinson verabreicht. Der Arzt muss dem Patienten erklären, dass diese Krankheiten in der Regel nicht ineinander übergehen. Beim Morbus Parkinson besteht der Mangel an Dopamin in einem ganz bestimmten Hirnareal, währenddem ein ähnlicher Mangel beim RLS an ganz anderer Stelle vermutet wird, möglicherweise sogar im Rückenmark.
L-Dopa kann relativ rasch aufdosiert werden, während alle Dopamin Agonisten langsamer eingeschlichen werden müssen. Wenn hohe Dosen zu rasch gegeben werden kann dies zu Brechreiz führen. Oft sprechen Patienten aber zu Beginn relativ rasch auf die Therapie an, leider kann aber eine Gewöhnung auftreten und der Effekt wieder nachlassen. In diesen Fällen ist viel Geduld und Vertrauen zum behandelnden Arzt nötig, bis ein neues, wirksameres Mittel oder ev. eine Medikamentenkombination gefunden ist.

Augmentation

Den Begriff der Augmentation sollten alle RLS Patienten kennen. Damit ist eine paradoxe Nebenwirkung der dopaminergen Präparate gemeint, welche zum Glück nicht allzu häufig auftritt. Patienten welche L-Dopa nehmen, bemerken zunehmend, dass eine Dosis nicht mehr gleich gut und nicht mehr gleich lange wirkt. Dann breiten sich die RLS Beschwerden zunehmend auch gegen den Beckenbereich oder sogar in die Arme aus und oft nehmen die Patienten als Gegenmassnahme immer höhere Dosen ein. Die Beschwerden welche früher erst am Abend in Erscheinung getreten sind erscheinen nun schon am Nachmittag und auch nach viel kürzerer Zeit nach dem absitzen oder abliegen. Insgesamt handelt es sich somit um eine rasche Verschlechterung des RLS obschon das Medikament für kurze Zeit immer noch wirksam ist. Die Behandlung muss in diesem Fall mit dem gut informierten Arzt abgesprochen werden. Manchmal können noch andere Dopaminagonisten eingesetzt werden, in schweren Fällen muss aber sogar auf Opiate oder Antiepileptika umgestellt werden.
» Weitere Informationen im "Unter uns" 2006/2

Opiate

Wo Patienten mit schweren Ausprägungen von RLS nicht oder nicht ausreichend auf die dopaminerge Behandlung ansprechen oder diese nicht vertragen, kann eine Behandlung mit Opiaten ebenfalls symptomatisch wirksam sein. Diese Mittel werden besonders bei schmerzhaften Formen des RLS empfohlen. In Einzelfällen wurde darüber hinaus die alternierende - jedoch jeweils mehrmonatige - Gabe von Codein und L-Dopa als besonders effizient beschrieben. Das Risiko einer Suchtentwicklung bei Opiat-Therapie des RLS wird von den Fachleuten allgemein als gering eingeschätzt. Mit der kasuistisch berichteten alternierenden Behandlung sind offenbar selbst minimale Toleranzeffekte vermeidbar.

Benzodiazepine

Zu den bereits seit den 70er Jahren gegen RLS eingesetzten Medikamenten gehören auch Benzodiazepine, deren Einsatz heute eher selten empfohlen wird. Offenbar beeinflussen sie nämlich vor allem die Schlafstörungen, an denen Patienten mit RLS zunehmend leiden. Indem sie die Schwelle für Weckreaktionen erhöhen, wirken sie dem allzu häufigen Aufwachen entgegen. Dagegen werden die eigentlichen RLS-Symptome, insbesondere auch die unwillkürlichen Bewegungen der Gliedmassen, durch Benzodiazepine nicht oder kaum beeinflusst. Die Gefahr dieser Mittel besteht v.a. in der Schläfrigkeit, welche besonders bei älteren Patienten das Risiko von nächtlichen Stürzen mit sich bringt.

Gabapentin

Obwohl verschiedene herkömmliche Antikonvulsiva als Auslöser eines sekundären RLS bekannt sind, wurde mehrfach eine positive Wirksamkeit des neuen Antiepileptikums Gabapentin RLS berichtet. Es soll, ähnlich wie Opiate - besonders bei schmerzhafter Form des RLS - eine Bedeutung haben und wird deswegen vorwiegend bei der Kombination mit Polyneuropathien eingesetzt. Der grosse Vorteil ist die gute Verträglichkeit auch bei älteren Patienten, welche viele andere Medikamente einnehmen müssen.

Einweisung ins Spital

Besondere Vorkehrungen sind nötig, wenn einem Patienten welcher unter RLS leidet ein Spitaleintritt bevorsteht. Diese Massnahmen finden Sie zusammengefasst auf unserem Merkblatt für den Spitaleintritt.

 


Mindestens 1% einer Normalbevölkerung leidet an einem RLS, bei dem die Beschwerden so stark ausgeprägt sind, dass eine fachmedizinische Behandlung notwendig ist.


 
Last Update: