Aktuelles zum Thema Restless-Legs Syndrom
Vortrag von Frau Prof. Dr. med. Claudia Trenkwalder (CT) anlässlich der Generalversammlung SRLS vom 26.04.2025 in Olten
Zusammenfassung durch Prof. Dr. med. J. Mathis
Als Problem bei der Versorgung von RLS-Patienten und -Patientinnen, sieht CT die Tatsache, dass der Hausarzt als erste Anlaufstelle dient und oft auch die Langzeittherapie allein kontrollieren muss. Eine Schlaflabordiagnostik wird wegen der eingeschränkten Kassenpflicht meistens nicht geplant und die Hausärzte kennen die Leitlinien der RLS-Diagnostik und Therapie zu wenig gut. Eine Überweisung zum Neurologen oder zur Neurologin erfolgt auch nicht immer und diese wie auch die Schlafmediziner- und -medizinerinnen können dann die Langzeitbetreuung nicht übernehmen. Die Behandlung mit Dopaminhaltigen Präparaten ist den Hausärzten und -Ärztinnen kaum bekannt und bei den Neurologen und Neurologinnen nur beim Parkinson Syndrom, was oft zu einer Überdosierung bis hin zur Augmentation verleitet.
Bei der Diagnostik der komorbiden Formen weist sie auf folgende wichtige Begleitkrankheiten hin, welche aktiv gesucht werden müssen:
Bei der Entstehung des RLS illustriert sie die Kombination der genetischen (vererbte) Ursachen und die erworbenen Ursachen mit folgender Darstellung.
Je grösser der Einfluss der genetischen Ursachen mit mehreren RLS-fördern den Genen desto weniger äussere Faktoren sind nötig und desto früher beginnen die Beschwerden. Bei geringer genetischer
Belastung mit nur wenigen Genen braucht es mehr äussere Einflüsse, welche erst im späteren Verlauf des Lebens dazu kommen.
In einer neuen Studie zum Genom bei RLS-Patienten und -Patientinnen wurden Risiko Gene gefunden, welche bei anderen Krankheiten bereits bekannt waren und welche es in Zukunft möglicherweise erlauben die dort wirksamen Medikamente auch bei RLS-Betroffenen erfolgreich einzusetzen.
Bei der medikamentösen Behandlung mit Dopaminhaltigen Medikamenten sollten die Maximaldosen auf keinen Fall überschritten werden:
Levo Dopa (Madopar) max 200 mg (sollte besser gar nicht mehr verwendet werden!)
Pramipexol (Sifrol) max. 0.5 mg
Ropinirol (Adartrel) max. 4.0 mg (einige Experten meinen 2.0 mg)
Rotigotin (Neupro) max. 3 mg
Zum Paradigmenwechsel, von den Dopaminhaltigen Medikamenten hin zu den Gabapentinoiden, den ich im Unter Uns 2/2022 Seite 18 beschrieben hatte, beschreibt sie die vergleichbare Wirkung von Pramipexol mit 300 mg Pregabalin, welches aber nicht in eine Augmentation führt. Ausserdem zitiert sie eine ganz neue Richtlinie der Amerikanischen Akademie für Schlafmedizin (AASM) aus dem Jahr 2025: Hier wird folgende Reihenfolge zur medikamentösen Therapie empfohlen, welche von der Referentin aber auch durchaus kritisch hinterfragt wurde.
1. Eisenstoffwechsel überprüfen (Ferritin sollte > 75mcg/Lit sein)
2. RLS-Provozierende Faktoren aus schliessen: Komorbiditäten siehe links, Begleitmedikamente kontrollieren!
Medikamente
Ein wichtiger Teil des Vortrags widmet sich der Augmentation, welche durch folgende Veränderung gekennzeichnet wird:
Der Begriff «Augmentation» ist irreführend und sollte in «Dopaminerg über stimuliertes RLS» umbenannt werden.
Die Behandlung der Augmentation
Bei RLS-Betroffenen welche gleichzeitig an einer Depression leiden, sind folgende Antidepressiva gut geeignet: Reboxetin (Edronax®), Trazodon (Trittico), Moclobemid (Aurorix®), Bupropi on (Wellbutrin®), Agomelatin. Ungünstig sind jedoch Mirtazapin (Remeron®) und die ganze Gruppe der Serotonin Reuptake Hemmer (z.B. Citalopram, Fluoxetin, Sertralin, etc). Weitere Hinweise findet man in den Bildern 4 und 5 sowie in der Zusammenfassung.
